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11.08.2025
Sport als freiwillige Aufgabe? – Warum das nicht das letzte Wort sein darf
In kommunalen Haushaltsdebatten hören wir es immer wieder:

„Sport ist eine freiwillige Aufgabe.“

Rechtlich ist diese Aussage zutreffend: Sportförderung und die Bereitstellung von Hallen für den Vereinssport gehören zu den freiwilligen Selbstverwaltungsaufgaben des Landkreises und der Kommunen.

Das bedeutet, dass sie im Gegensatz zu sogenannten Pflichtaufgaben (z. B. Schulunterricht, Müllabfuhr, öffentliche Sicherheit) nicht zwingend vom Gesetz vorgeschrieben sind.

Gerade in Zeiten einer Haushaltssperre, wie sie aktuell im Landkreis Teltow-Fläming gilt, werden freiwillige Aufgaben nach § 69 BbgKVerf besonders kritisch geprüft. Zusätzliche Ausgaben oder Personalmaßnahmen sind dann nur zulässig, wenn sie als „unabweisbar“ gelten. Das gibt der Verwaltung formal die Möglichkeit, den finanziellen Rahmen der Sportförderung einzuschränken oder geplante Verbesserungen zu verschieben.

In ihrer Stellungnahme vom 29.07.2025 hat die Kreisverwaltung selbst betont, dass sich der Landkreis bewusst dafür entschieden hat, den Sport freiwillig zu fördern und die Vereine zu unterstützen – etwa durch Fördermittel, Hallennutzung und eine Personalstelle für den Sport.
Wir begrüßen dieses klare Bekenntnis und sehen darin eine gemeinsame Grundlage.
Umso wichtiger ist es aus unserer Sicht, dass sich diese Haltung auch in den praktischen Entscheidungen und Rahmenbedingungen widerspiegelt, die den Vereins- und Breitensport unmittelbar betreffen.

Freiwilligkeit heißt nicht Beliebigkeit

Politisch ist es jedoch problematisch, wenn „freiwillig“ als Synonym für „verzichtbar“ verstanden wird.
Freiwilligkeit bedeutet in erster Linie Gestaltungsspielraum und die Möglichkeit, die große gesellschaftliche Wirkung des Sports gezielt einzusetzen.

Der organisierte Sport ist in Teltow-Fläming die größte zivilgesellschaftliche Bewegung der Region: 185 Mitgliedsvereine mit über 23.000 Mitgliedern engagieren sich vor Ort, im Training, in Wettkämpfen, in Projekten und Veranstaltungen. Dieses Engagement stützt und entlastet gleichzeitig viele Pflichtaufgaben der öffentlichen Hand, zum Beispiel:

  • Bildung: Bewegungserziehung, Ganztagsangebote, Kooperationen mit Schulen
  • Gesundheit: Prävention, Reha- und Gesundheitssport, Bewegungsförderung
  • Integration: Begegnung von Menschen verschiedener Herkunft und Kulturen
  • Jugendhilfe: Angebote für Kinder und Jugendliche, Präventionsarbeit, soziale Räume
  • Ehrenamt: Gewinnung, Qualifizierung und Bindung von Freiwilligen

Jeder Euro, der in den Sport fließt, multipliziert seine Wirkung in diesen Bereichen.

Unsere Position

Als Kreissportbund Teltow-Fläming sagen wir klar:

„Freiwillig“ darf keine Ausrede für Kürzungen sein – es ist der Spielraum, Sportpolitik aktiv zu gestalten.

Gerade in finanziell angespannten Zeiten ist es wichtig, in Bereiche zu investieren, die mit vergleichsweise geringen Mitteln große Wirkung erzielen. Der Sport ist ein solcher Bereich. Er verbindet Menschen, schafft Perspektiven, stärkt Gesundheit und Integration – und trägt dazu bei, dass Pflichtaufgaben effektiver erfüllt werden können.

Deshalb fordern wir, dass Sport in unserer Region den Stellenwert erhält, den er gesellschaftlich längst hat:

  • als zentraler Akteur der Bildungs- und Sozialpolitik
  • als Partner im Ganztag
  • als Motor des Zusammenhalts im ländlichen Raum

Die Freiwilligkeit der Sportförderung ist eine Chance – wir wollen, dass dieser Spielraum genutzt wird, um die Zukunft des Sports in Teltow-Fläming zu sichern und weiterzuentwickeln.